AStA kritisiert mediale Berichterstattung zum Thema "Marburger Marktfrühschoppen"
Montag, den 04. Juli 2011 um 16:58 Uhr
AStA kritisiert mediale Berichterstattung zum Thema "Marburger Marktfrühschoppen" und Kriminalisierung der Gegner der Veranstaltung.
Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Gießen kritisiert die manipulative, mediale Berichterstattung im Vorfeld des am 03. Juli stattgefundenen Marburger Marktfrühschoppens und die Kriminalisierung der Gegner der Veranstaltung sowie Verfolgung dieser durch die Justiz. Im Rahmen der Veranstaltung treffen sich alljährlich Mitglieder der ortsansässigen Burschenschaften auf dem Marburger Marktplatz zu einem dreieinhalbstündigen, gemeinsamen Beisammensitzen und Biertrinken. Zahlreiche Burschenschaften in Deutschland stehen seit Jahren in der Kritik, rechtsradikal zu sein, Sexismus und Rassismus zu üben sowie reaktionäres Gedankengut zu pflegen. Erst kürzlich geriet der Dachverband der Deutschen Burschenschaft (DB) bundesweit in die Kritik, als er die Mannheimer Burschenschaft "Hansea" ausschließen wollte, weil diese einen Studenten in ihre Reihen aufnahm, der chinesische Eltern hat. Die Begründungen im Antrag klangen rassistisch und menschenverachtend und erinnerten an Rassenlehregesetze aus dem Dritten Reich: Man sprach davon, der "Verbandsbruder" weise eine "nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie" auf und gehöre offensichtlich "zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung", wäre somit nicht "deutscher Abstammung" und könne daher auch kein Mitglied einer DB-Verbindung sein.
Beim Marburger Marktfrühschoppen nehmen auch mehrere Burschenschaften teil, die nach wie vor Mitglieder des Deutschen Burschenschaftdachverbandes sind. Die regionale Tageszeitung "Oberhessische Presse" berief sich in ihrem Artikel vom 27.Juni 2011 auf Aussagen vonseiten Angehöriger der veranstaltenden Stadtteilgemeinden, die das Fest als unpolitisch bezeichneten, lobten, dass es in den letzten drei Jahren zu keinen Gegenkundgebungen gekommen war und versicherten, es solle auch dieses Jahr so bleiben. Der AStA kritisiert die an dieser Stelle höchst parteiische und wertende Berichterstattung der Medien. "Anstatt die rassistischen Strukturen in den Burschenschaften zu thematisieren, werden in dem Artikel Menschen, die sich gegen Rassimus engagieren, zu Chaoten und Störenfrieden des gemütlichen Beisammenseins degradiert und eine Veranstaltung, die eine verdichtete Ansammlung von reaktionärem Gedankengut darstellt, demgegenüber als fröhliches, unbedenkiches Volksfest dargestellt.", so Robert Socha, Referent für Hochschulpolitik im AStA der JLU Gießen. Die genannte Entwicklung mit den ausbleibenden Protesten ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Justiz in Marburg gegen Gegner des Marktfrühschoppens in Strafverfahren äußerst befangen und hart vorgeht. "Es ist nicht lobenswert, sondern vielmehr peinlich für eine Stadt, wenn sie sich damit brüstet, dass sie Bewegungen für Toleranz und gegen Rassismus mit Hilfe von Repression im Keim erstickt.", so Tobias Gniza, Antifaschismusreferent des AStA der JLU Gießen.
Aktives Engagement gegen Rassismus ist ein Belang, der die gesamte Gesellschaft etwas angeht. Der AStA der JLU Gießen verurteilt die manipulative Form der Berichterstattung, wie sie in diesem Fall geschehen ist, aufs Schärfste und fordert die Stadt Marburg dazu auf, künftig von der Eröffnung von Strafverfahren gegen friedlich und gewaltfrei vorgehende Demonstrierende abzusehen.
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